4. Dezember

Noch gestern Nachmittag hat sich Biber Otto ihre zukünftige Manege angesehen. Ergebnis des Fachmanns: Zwei von den ganz großen Baumstämmen sind notwendig. Nun heißt es schleppen. Seit dem Morgengrauen zerkleinert Otto am Fluss die Stämme und schnürt Pakete. Bruno und Ferdinand müssen sie nur noch zum Waldrand schaffen.

„Als ob die Stämme immer schwerer werden“, beschwert sich Ferdinand. Schnaufend rollen die beiden das vierte Paket am Waldrand entlang. Fast oben auf dem Hügel angekommen, stolpert Bruno über eine Wurzel.

„Ach, Bruno, pass doch auf!“ Mit letzter Kraft hält Ferdinand das Paket, bevor es rückwärts hinunter rollen kann.

„Tschuldigung“, brummt Bruno und rafft sich schnell wieder auf. „Lass uns oben gleich Pause machen.“

Zwei Umdrehungen weiter haben sie es geschafft. Erschöpft lassen sie sich neben den Stämmen zu Boden sinken. Wie gut, dass nur noch zwanzig Pakete fehlen.

 

„Aaaa – Ihhh ...“

 

„Hörst du das auch, Ferdi?“

„Was? Nein.“ Ferdinand klappt sein linkes Ohr hoch, das rechte bleibt über seine Augen gelegt.

„Na hör doch mal.“

 

„... Aaaa – Ihhh – Aaaa – Ihhh – ...“

 

„Ist das Fritz, der alte Fuchs?“ Bruno späht in den Wald hinein. Doch außer Baum und Strauch ist nichts zu sehen.

 

„... Aaaa – Ihhh – Aaaa – Ihhh – ...“

 

„Komm, wir schauen nach.“

Ferdinand hat noch gar nicht ganz sein rechtes Ohr aufgestellt, da folgt Bruno schon einem schmalen Trampelpfad hinein in den Wald. Er kommt dem „A-Ih“ immer dichter. Kurve links. Kurve rechts. Ist da nicht gleich der breite Hauptweg? Kopf einziehen, um einem Ast auszuweichen.

 

„... Aaaa – Ihhh ...“

 

Einen letzten Strauch bei Seite geschoben und schon steht Bruno auf dem Weg. Direkt vor ihm ein graues Hinterteil mit einem Schwanz, der mit jedem „Aaaa“ nach links schwenkt und mit jedem „Ihhh“ nach rechts ... „Aaaa“ nach links ... „Ihhh“ nach rechts ... „Aaaa“ nach links ... „Ihhh“ nach rechts ...

 

Da kommt endlich Ferdinand aus dem Gestrüpp gerast.

„Du hättest ruhig auf mich warten können!“

Im gleichen Moment dreht sich langsam ein Kopf mit zwei zottelig herunter hängenden Ohren zu ihnen um. Ferdinand bleibt kerzengerade direkt hinter Bruno stehen. Aus dem langsamen, meditativen „Aaaa Ihhh“ wird ein rasend schnelles „A-Ih-A-Ih-A-Ih-...“. Bruno und Ferdinand machen vor Schreck einen Satz zurück.

Während Ferdinand seine Löffel aus dem Gestrüpp befreit, versucht Bruno zu beruhigen: „Ganz ruhig. Wir tun dir nichts.“ Doch das macht es nur schlimmer.

„... A-I-A-I-A-I-...“

Ferdinand flüstert in Brunos Ohr. „Lass mich mal versuchen. Ich hab gehört, Esel können nicht so gut mit Bären.“ Die Löffel achtsam gespitzt, schiebt sich Ferdi an Bruno vorbei. „Hi, wer bist du denn?“

„... A-I-A-I-A-I-...“

„Ich bin Ferdinand und das ist mein Freund Bruno.“

„A Ih - A Ih - A Ih -...“

Langsam geht er am Esel vorbei. Der folgt Ferdinand mit seinem Blick.

„Aa Ihh - Aa Ihh - Aa Ihh-...“

„So ist gut. Ist alles gar nicht so schlimm. Verrätst du uns deinen Namen?“

Der Esel scheint kurz zu überlegen, traut sich dann aber doch: „Ich heiße Wilhelm.“

 

„Hallo Wilhelm. Schön dich kennenzulernen.“